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SAP-WM-Schnittstellen - was kommt danach?

Wer das SAP Warehouse Management in Einsatz hat, muss sich bald die Frage stellen, wie seine Schnittstellen nach dem WM-Wartungsende abgebildet werden können. Wir zeigen Ihnen einige nachhaltige Möglichkeiten auf.

Das angekündigte Wartungsende von SAP Warehouse Management zum Ende 2025 im S/4HANA setzt viele Anwender unter Druck, eine zeitnahe Entscheidung zu treffen: Stock Room Management einführen oder doch lieber auf das SAP Extended Warehouse Management als Lagerverwaltungssystem setzen? Wer bis jetzt mit WM gut bedient war und keine schwerwiegenden Prozessveränderungen in Zukunft erwartet, entscheidet sich oft für das Stock Room Management. Die Entscheidung liegt nahe: Die Funktionalitäten sind dieselben und können wie gewohnt bedient werden. Wären da nicht die Funktionen, die im Stock Room Management nicht mehr verfügbar sind, für die eigene Lagerverwaltung aber benötigt werden. Ein wichtiges Thema ist dabei der Lagersteuerrechner: Die heutigen Schnittstellen zum Automatiklager können ab 2026 nicht mehr verwendet werden. Wir zeigen Ihnen mögliche Szenarien der Schnittstellenablösung von Automatiklagern, die bereits im Einsatz sind oder neu angebunden werden sollen.

Schnittstelle WM-LSR: einseitiger und zweiseitiger Kommunikationsweg

Für die Kommunikation zwischen dem WM-System und einem Lagerlift oder Automatiklager wird dieselbe Schnittstelle verwendet: WM-LSR. Über diese Schnittstelle wird mithilfe eines Funktionsbausteins ein intermediales Dokument – kurz IDoc – vom Typ WMTORD geschickt, das vom Lift oder Automatiklager als Kommissionierauftrag verstanden wird. Ein WMTORD-IDoc enthält Informationen über das zu kommissionierende Material, die Menge und den Lagerplatz, auf dem der Artikel liegt.

Obwohl die Schnittstelle dieselbe ist, kann sie unterschiedlich ausgeprägt sein. Bei der Schnittstelle zum Lagerlift handelt es sich um eine einfache Schnittstelle mit einem einseitigen Kommunikationsweg. Das bedeutet, dass das System nur ein IDoc – den Kommissionierauftrag – versendet und keine Rückmeldung erhält. Die Rückmeldung über Kommissionierung erfolgt in Form einer Quittierung des Auftrags nicht über die LSR-Schnittstelle, sondern anderweitig.

Die LSR-Schnittstelle zu einem Automatiklager ist in der Regel deutlich komplexer ausgeprägt: Hier wird nicht nur ein Kommissionierauftrag per IDoc versendet, sondern auch eine Rückmeldung in Form von einem Eingangs-IDoc empfangen. Deshalb ist hier die Rede von einem zweiseitigen Kommunikationsweg. Des Weiteren werden bei dieser Ausprägung der Schnittstelle mehrere IDoc-Typen verwendet, die beispielsweise eine Stornoanforderung oder -bestätigung enthalten.

Aufgrund von unterschiedlicher Komplexität der Schnittstellenausprägung beider Geräte sollen beide Fälle separat betrachtet werden.  

Schnittstelle zum Lagerlift ablösen

Unternehmen, die einen Lagerlift in ihrem Lager anbinden und über die Schnittstelle WM-LSR bedienen wollen, sollten bei der Implementierung die zukünftige Umstellung auf Stock Room Management oder EWM berücksichtigen: Unabhängig vom zukünftigen System fällt mit der Umstellung auf S/4HANA erneuter Aufwand für die Schnittstellenanbindung an. Um einen doppelten Aufwand zu vermeiden, bietet sich gleich bei der Neuanbindung des Lagerlifts im WM-System folgende Lösung an: eine Nachbildung des IDoc-Typs /SCWM/WMTORD im Z-Namensraum. Dieser IDoc-Typ ist zwar ein EWM-IDoc-Typ, kann aber im Z-Namensraum abgebildet werden. Das hat den Vorteil, dass die Schnittstelle auch nach der Umstellung auf Stock Room Management erhalten bleibt und weiter genutzt werden kann. Steigt das Unternehmen in Zukunft auf das EWM um, kann dort die Standardschnittstelle EWM-LSR mit dem nachgebildeten IDoc-Typ und dem Standardfunktionsbaustein verwendet werden.

Für Unternehmen, die ein Liftgerät bereits im Einsatz haben und dieses über die WM-LSR-Schnittstelle bedienen, bietet sich ebenfalls eine zeitnahe Abbildung des IDocs im Z-Namensraum, wenn das Stock Room Management das zukünftige System sein soll: abhängig von der eigentlichen S/4HANA-Strategie entweder vor der Umstellung oder währenddessen. Das entlastet das Projektteam in der Umstellungsphase. Wechselt das Unternehmen vor dem 1.01.2026 auf SAP EWM, entfällt diese Fragestellung, da im EWM die Standardschnittstelle genutzt werden kann.

Schnittstelle zum Automatiklager ablösen

Grundsätzlich gelten bei der Kommunikation zum Automatiklager dieselben Überlegungen, die bei der Ablösung der Schnittstelle mit einfacher Kommunikationsrichtung Anwendung finden. Aufgrund der Komplexität der Schnittstellenausprägung bedarf es hier aber einer individuellen Betrachtung der bestehenden Lösung: Je nach Prozesskomplexität können weitere Lösungswege wie Nachbildung der WM-IDoc-Typen im Z-Namensraum und andere in Betracht gezogen werden. Bei der Entscheidungsfindung sollten ebenfalls unternehmensspezifische Prozess- und Organisationseigenschaften berücksichtigt werden. Hier gilt es also, die Vorteile und Herausforderungen der Möglichkeiten zu prüfen, um die richtige strategische Entscheidung zu treffen.

Aufgrund der Komplexität der Schnittstelle zum Automatiklager sollte bei ihrer Ablösung die bestehende Lösung näher betrachtet werden. Bei der Entscheidungsfindung sollten ebenfalls unternehmensspezifische Prozess- und Organisationseigenschaften berücksichtigt werden. Es ist also eine individuelle Entscheidung, bei der wir Sie gern unterstützen. 

Sebastian Keilhacker, Managing ConsultantCONSILIO GmbH

Weiterführende Infos:

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