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Material Ledger: Bestandsbewertung in S/4HANA

Mit dem Umstieg auf S/4HANA wechselt die Bestandsbewertung und Materialführung von der Materialwirtschaft (SAP MM) in den Material Ledger, der zur einzigen Quelle und somit obligatorisch wird. Was bedeutet das?

Der Material Ledger ist eines der zentralen Objekte eines integrativen S/4HANA* und muss in S/4HANA zwingend aktiviert werden. Welche Funktionen das Material Ledger erfüllt und was in S/4HANA zu beachten ist, erfahren Sie in diesem Beitrag. 

Was ist der Material Ledger?

Der Material Ledger löst in S/4HANA endgültig die MM-Bestandsfindung aus ECC ab und führt alle materialbezogenen Buchungen in einem Nebenbuch (Ledger) – somit wird er zur „Single source of truth“ für alle material- und bestandsbezogenen Buchungen und Auswertungen. Zudem ermöglicht er die Darstellung in verschiedenen Währungstypen sowie eine Ist-Kalkulation, deren Ergebnisse als neue Preise fortgeschrieben werden können.

Auswertungen

Der Material Ledger bietet diverse neue Auswertungsmöglichkeiten, da alle materialbezogenen Buchungen in einem Ledger zentral gebucht sind. Insbesondere die Analyse von Mengen-, Preis- und Währungsabweichungen bei Zukaufmaterialen ist wesentlich komfortabler und übersichtlicher geworden. Sie kann viele selbstentwickelte Auswertungen aus ECC ersetzen.

Ist-Kalkulation und bisherige Materialbewertung

Was ist die Ist-Kalkulation und worin besteht ihre Notwendigkeit?

Jedes Material enthält in seinen Stammdaten einen Preis. Dabei kennt die sogenannte Materialbewertung üblicherweise zwei Arten der Preissteuerung: den Standardpreis und den gleitenden Durchschnittspreis. Beim Standardpreis werden zu Beginn alle Kosten ermittelt, die für die Herstellung des Materials entstehen, und der daraus resultierende Preis wird als fester Wert für mindestens eine Periode festgehalten. In der Realität bleiben die anfallenden Kosten für die Beschaffung der Rohstoffe und Herstellung des Endprodukts nicht konstant, was den tatsächlichen Preis vom ursprünglich ausgerechneten Standardpreis abweichen lässt.

Beim gleitenden Durchschnittspreis wird einem Material der sogenannte durchschnittliche Bestandswert zugeordnet – das heißt Gesamtbestandswert geteilt durch die Anzahl der Artikel auf Lager. Der Preis wird nach jedem Waren- und Rechnungseingang neu berechnet, dabei hat der Zeitpunkt der Datenerfassung einen direkten Einfluss auf den aktuellen Durchschnittspreis: Abhängig davon, ob der Verbrauch oder Rechnungseingang zuerst erfasst wird, ändert sich der Preis in die eine oder andere Richtung. Der aktuell erfasste Durchschnittspreis gibt also unter Umständen einen verfälschten Wert wieder.

Material Ledger - die neue Art der Materialbewertung

Eine neue Art der Materialbewertung bietet der Material Ledger. Sie verspricht, die Materialbewertung transparenter und genauer zu gestalten, da sie eine einzelpostengenaue Aufzeichnung aller Materialbewegungen wie Waren- oder Rechnungseingänge ermöglicht. Der Material Ledger verbindet die Vorteile der beiden zuvor genannten Bewertungsarten und verringert die jeweiligen Nachteile. Es wird über die Ist-Kalkulation ein neuer interner Preis, der periodische Einheitspreis (PuP), gebildet. Diese Art der Materialbewertung bewirkt, dass für mindestens eine Periode zwar der Standardpreis angewendet wird, aber alle Differenzen zwischen dem Standardpreis und den tatsächlichen Preisen der Warenbewegungen im Material Ledger auf Materialbasis festgehalten werden. Die Auswertung der Preise am Ende der Periode bildet die periodischen Einheitspreise ab und somit Grundlage für die zukünftigen Materialpreise, aber auch Transparenz über Preisbewegungen der laufenden Periode.

Die materialgenaue Aufzeichnung der Preisdifferenzen erlaubt eine Auswertung, welche Anteile der Abweichungen auf Einkaufsprozesse oder Materialverbräuche zurückzuführen sind. Dies erlaubt eine Nachbelastung der Verbrauchskonten, auf die der Materialverbraucht gebucht wurde.  

Parallele Bewertung

Eine weitere wesentliche Funktion des Material Ledger ist die parallele Bewertung mit Transferpreisen für Inter- und Intra-Company (Profit Center) Transaktionen und Werteflüsse. Es können Materialbewegungen und Bestandswerte in drei verschiedenen Bewertungen (legale Bewertung, Konzernbewertung und Profit-Center-Bewertung) geführt werden. Diese Werte werden im Materialstamm dargestellt.

Des Weiteren können die Materialbestände in verschiedenen – bis zu drei – Währungen geführt werden. Während die Materialien standardgemäß in der Buchungskreiswährung bewertet wurden, stehen mit dem Material Ledger eine lokale, eine globale und eine feste Währung zur parallelen Bewertung zur Verfügung. Die Umrechnung erfolgt dabei zu historischen Kursen (= Kurs der jeweiligen Buchung). Die feste Währung ist insbesondere für Unternehmen interessant, die starken Inflationsschwankungen ausgesetzt sind.

Material-Ledger-Funktionen und ihre Relevanz in S/4HANA

In S/4HANA wird der Material Ledger (ML) über das Universal Journal (ACDOCA) als Nebenbuch für die Bestandsbewertung direkt in das Hauptbuch eingebunden und löst das Material Management (SAP MM) für die Bestandsführung ab. Damit wird der Ansatz „Single Source of Thruth“ auch für die Materialbewertung und Bestandsführung sichergestellt.

Entsprechend ist nach diesem neuen Datenmodel die Aktivierung und Nutzung des Material Ledger für alle Unternehmen mit Materialbewertung und Bestandsführung zwingend. Die Bestandsbewertung ist nicht mehr Teil des Material Managements (SAP MM). Optional kann die parallele Bewertung und die Ist-Kalkulation implementiert und genutzt werden.

Allerdings sind einige Bereiche von der Aktivierungspflicht befreit. Im Folgenden sehen Sie eine Übersicht über aktivierungspflichtige und optionale Bereiche unter S/4HANA:

Fazit

Als Nebenbuch in das Universal Journal eingebunden, erlaubt der Material Ledger die Bestandsführung direkt im Hauptbuch. Das erhöht die Daten- und Zahlenqualität bezüglich der Bestandsbewertung im Hauptbuch. Der optionale Ist-Kosten-Ansatz ermöglicht die Kalkulation der Preisänderungen auf das letztendliche Produkt, eine periodische und mengenbezogene Nachbelastung der Bestände und die Darstellung von Umsatzkosten entsprechend der periodischen Verrechnungspreise (Ist-Kosten).

Zu weiteren Funktionen und Vorteilen des Material Ledger besuchen Sie unsere Lösungsseite. Einen umfassenden Überblick über Material Ledger sowie Neuerungen in FI/CO in S/4HANA bietet Ihnen unser kostenfreies Webinar.

* In S/4HANA werden im Gegensatz zu SAP ECC viele Funktionen nicht über Systeme hinweg, sondern integrativ, das heißt, als End-to-End-Prozesse in einem System abgebildet.

Mit Material Ledger können die Unternehmen ihre Daten- und Zahlenqualität bezüglich der Bestandsbewertung im Hauptbuch erhöhen. Der optionale Istkosten-Ansatz ermöglicht die Kalkulation der Preisänderungen auf das letztendliche Produkt, eine periodische und mengenbezogene Nachbelastung der Bestände und die Darstellung von Umsatzkosten entsprechend der periodischen Verrechnungspreise (Ist-Kosten).

Ivo Konecny, Partner FI/CO CONSILIO GmbH