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18. Juni 2024

SAP Integrated Business Planning (IBP): ein Überblick

Die SaaS-Planungslösung SAP IBP punktet mit allen bekannten Vorteilen eines Cloud-Lizenzmodells. Dazu gehören geringe Betriebskosten (Opex) statt hohen Investitionskosten (Capex), automatische Upgrades mit neuen Features, Entlastung der IT-Abteilung, Mobilfähigkeit etc.

Wie es viele Unternehmen in den letzten Jahren bereits selbst erleben mussten, werden Störungen in der globalen Supply Chain durch Trendwenden oder Marktturbulenzen geopolitischer, ökologischer, sozialer oder wettbewerblicher Natur in Zukunft zur Tagesordnung gehören. Das bestätigt auch meine Beobachtung als langjähriger Supply Chain Architekt. Für eine effektive Begegnung dieser Herausforderungen benötigen Anwender passende Lösungen. Die zukunftsfeste Aufrechterhaltung einer wirtschaftlich profitablen Produktion gelingt nur mit einer End-to-End-Transparenz über die gesamte Lieferkette hinweg.

Zwar beseitigen die digitalen Werkzeuge nicht die Hürden, doch helfen sie dabei, die Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette realistisch einzuschätzen und so transparent und steuerbar zu machen. Diese optimale Balance zwischen Reaktions- und Lieferfähigkeit, Beständen, Durchlaufzeiten, Nachhaltigkeit (Circular Economy) und Kundenzufriedenheit ermöglicht eine proaktive Reaktion auf den volatilen Markt. Eine mächtige Lösung die bei der Bewältigung dieser Herausforderungen hilft, ist SAP Integrated Business Planning (IBP).

Das unterscheidet IBP vom Wettbewerb

Die Cloud-basierte Lösung IBP bietet aufgrund ihrer Architektur eine Echtzeit-Planung in einer integrierten Umgebung und sorgt für einen nahtlosen Übergang zwischen der Nachfrage und den darauf abgestimmten Plänen für Logistik, Produktion und Beschaffung. Dabei verwendet IBP innovative Prognoseverfahren und Planungsalgorithmen für Produktion, Distribution und Beschaffung. Damit ist die Transparenz über Bedarfe, Bestände und Kapazitäten entlang der gesamten Supply Chain sichergestellt.

Mit Einsatz einer gezielten Bestandsoptimierung gewährleistet IBP die Lieferbereitschaft über das ganze Supply Netzwerk. Die Folgen von Veränderungen und Entscheidungsalternativen lassen sich proaktiv in Simulationen verschiedener Planungsszenarien abschätzen. Die vollintegrierte Lösung erlaubt somit eine steuerbare Balance zwischen Produktionsauslastung, Bestandsoptimierung, Lieferservicegrad und Profitabilität des Unternehmens unter Berücksichtigung von möglichen Störungen.

Planung umfasst Lieferanten und Werte

Mit IBP ist eine Supply Chain Planung weit über die engen Grenzen der bislang verwendeten ERP Systeme hinaus möglich, um auch die Lieferanten der Lieferanten (Tier-2) in die Prognosen einzubinden oder die Produktionskapazitäten einer verlängerten Werkbank nicht zu überlasten. Unternehmensstandorte, die bislang nicht an ein ERP System angeschlossen sind, wie zum Beispiel regionale Vertriebsbüros können über die Cloud ebenfalls leicht angebunden werden.

Ein Highlight von IBP ist die Werteplanung, in der über die Materialmengen hinaus auch die planerische Sicht auf die Werte unter Berücksichtigung von Währungen, Kosten und Erlösen ermöglicht wird. Die Planung erfolgt zum Beispiel unter Berücksichtigung prognostizierter Währungskurse oder Verkaufspreise und ermöglicht so wichtige Simulationen für What-If-Szenarien wie Preiserhöhungen oder die Prognose der Deckungsbeiträge. Dabei bezieht IBP im Sinne eines unternehmensweiten Sales & Operations Planning auch Bereiche wie Finance oder Controlling mit ein, was eine ganzheitliche, faktenbasierte Planung sicherstellt. Die gesamte Budgetplanung des Unternehmens ist ebenfalls mit IBP möglich.

Integrated Business Planning: Das steckt unter der Haube

Defizitäre Planungsprozesse beeinträchtigen die Kommunikation entlang der Supply Chain und verursachen im schlimmsten Fall jede Menge Kosten. SAP Integrated Business Planning schließt mit den nachfolgenden Modulen solche Lücken im Informations- und Planungsprozess, wodurch Unternehmen jederzeit einen vollständigen Überblick über Bedarf, Bestände und Kapazitäten entlang ihrer Lieferketten erhalten.

  • Der Supply Chain Control Tower stellt einen aktuellen Überblick auf die gesamte Supply Chain dar und liefert aussagekräftige Analysen mit aggregierten bzw. disaggregierten Plandaten und Business Scorecards. Verknüpft mit Werkzeugen zum Ausnahmen-Management fokussiert er sich auf die wichtigen Entscheidungen.
  • Sales & Operations Planning ermöglicht in einem integrierten Planungsprozess den Abgleich der gewünschten Absatz- und Finanzziele mit der Produktionskapazität. Dazu bietet es umfangreiche Funktionen zur Szenarienmodellierung und Unterstützung der unternehmensinternen Zusammenarbeit.
  • Demand Planning unterstützt Unternehmen mit einem Prognoseprozess, in dem neben langfristigen Bedarfsprognosen auch kurzfristige Bedarfssignale wie tägliche Schwankungen („Demand-Sensing“) berücksichtigt werden. Dieses Modul umfasst statistische Prognosemethoden, Analysen, Konsensplanung und (langfristige) statistische Modellierungen.
  • Supply Planning erstellt einen mehrstufigen Produktionsplan, der Bedarfe und Produktionskapazitäten gegeneinander abgleicht, und bietet die Möglichkeit „Was wäre, wenn“-Szenarien in der Produktionsplanung zu vergleichen.
  • Inventory Planning verwendet zum Aufbau einer optimalen Supply Chain Netzwerk- und Lagerbestandsplanung einen dynamischen statistischen Ansatz, gekoppelt mit Szenario-Analysen.
  • Response Planning generiert einen kurz- bis mittelfristigen Lieferplan, der priorisierte und kategorisierte Bedarfe verwendet, um Produktallokationen, Terminpläne und Verfügbarkeitszusagen (ATP) bestmöglich zu kombinieren.

Wichtig zu wissen: Nicht alle Module sind für jedes Unternehmen essenziell. Jeder Baustein kann separat lizenziert und einzeln oder in Kombination eingesetzt werden. Es empfiehlt sich, mit einem erfahrenen Partner wie CONSILIO zu prüfen, welche Module einen tatsächlichen Mehrwert bringen.

Intuitiv und teamfähig

Die Benutzeroberfläche des IBP ist Browser-basiert („Fiori“) oder Microsoft Excel und dadurch nutzerfreundlich und schnell erlernbar. Unterstützt durch vordefinierte und individuell anpassbare Dashboards, KPI Analytics und interaktive Analysen erhöht IBP die globale Transparenz über alle Planungsprozesse. Die selbsterklärende Darstellung mit unterstützenden Diagrammen und Grafiken steigert die User Akzeptanz und hält den Einarbeitungsaufwand auf einem sehr niedrigen Niveau.

Die zukunftsfeste Aufrechterhaltung einer wirtschaftlich profitablen Produktion gelingt nur mit einer End-to-End-Transparenz über die gesamte Lieferkette hinweg.

Georg Klinger, Senior SCM Architekt CONSILIO GmbH Experten kontaktieren

Zusammenarbeit steht im Fokus

An einem Planungsprozess sind oft unterschiedliche Mitarbeiter oder Fachbereiche beteiligt. Um die gemeinsame Planung effektiver zu gestalten, bietet IBP die Möglichkeit, den Demand, Supply & Planungsprozess mit IBP Workflows und SAP JAM zu koordinieren.

Fazit

Die integrierte Unternehmensplanung mit IBP verbindet die Bereiche Vertrieb, Marketing, Finanzen, Beschaffung und Produktion, um Kosten, Service und Lagerbestände zu optimieren. Sie konzentriert sich auf alle Bereiche der Planung, von der langfristigen und strategischen Planung über die mittelfristige Planung bis hin zur Ausführung. Die synchronisierte End-to-End-Planung zur Abstimmung des Angebots auf die Kundennachfrage hilft dabei, Nachfragesignale vom Marktrauschen zu trennen und schrittweise Veränderungen bei Service, Bestand und Gesamtanlageneffektivität (OEE) zu ermöglichen. Digitale Planungstransformation, fortschrittliche Monetarisierung, integrierte Geschäftsplanung und Szenario-Modellierung durch die Nutzung führender Technologien, Simulation und künstliche Intelligenz (KI) helfen, die Ergebnisse von Prognosen und Planung zu verbessern und den Aufwand der Planer zu reduzieren. Zudem lässt sich IBP hervorragend mit der Feinplanung SAP MP&S (ehemals PP/DS) verbinden.

Weiterführende Infos: