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Fremdbearbeitung in S/4HANA: ein Überblick

Häufig müssen einzelne Fertigungsschritte an externe Dienstleister ausgelagert werden. Bei diesem Prozess unterscheidet die SAP zwischen der Lohnbearbeitung und der Fremdbearbeitung. In diesem Blogbeitrag gehen wir auf die Fremdbearbeitung ein.

Bei der Fremdbearbeitung – auch verlängerte Werkbank genannt - werden gewisse Fertigungsschritte durch einen externen Dienstleister erledigt, für die ihm der Auftraggeber das zu bearbeitende Teil zur Verfügung stellt. Insbesondere im Zusammenhang mit der S/4HANA-Einführung stellen sich dem Anwender weitestgehend immer dieselben Fragen: Worauf kommt es bei der Fremdbearbeitung an? Welche Stammdaten sind für die Prozessabwicklung erforderlich? Welche Bewegungsdaten werden im Laufe erzeugt? Wie sieht der Prozess im Detail aus? Gibt es Best Practices von der SAP? Nachfolgend möchten wir darüber Klarheit schaffen und anhand eines Beispiels den Prozess beschreiben.

Jeder Prozess beginnt mit Stammdaten

Um ein T-Shirt herzustellen, werden folgende Materialstämme bei der T-Shirt GmbH angelegt:

  • Smiley-T-Shirt
  • Stoff
  • Garn

Die Kernkompetenz der T-Shirt GmbH liegt im Nähen von T-Shirts, die dafür benötigten Komponenten werden zugekauft. Das Beflocken der T-Shirts wird aufgrund des fehlenden Know-how von einem externen Dienstleister, nachfolgend Fremdbearbeiter genannt, übernommen.

Damit die T-Shirt GmbH weiß, welche Komponenten zur Fertigung eines T-Shirts verwendet werden, verbindet sie diese mit einer Stückliste.

Das erforderliche Fertigungsverfahren wird in einem Arbeitsplan erfasst. Die Elemente Stückliste und Arbeitsplan werden dann in einer Fertigungsversion zusammengefasst.

Für die automatische Bezugsquellenfindung muss eine gültige Bezugsquelle für die Dienstleistung „Beflocken“ und dem Fremdbearbeiter vorhanden sein. Dies erfordert, dass der Fremdbearbeiter als Business Partner und eine Bezugsquelle in Form eines Rahmenvertrages oder als Einkaufsinfosatz angelegt ist.

Ein Kundenauftrag bringt den Stein ins Rollen

Die T-Shirt GmbH erhält einen Kundenauftrag von 100 Smiley-T-Shirts. Da nicht genügend auf Lager sind, müssen diese nachproduziert werden. Die Bedarfsmenge von 100 Stück wird mit einem Planauftrag in Höhe von 100 Stück gedeckt.

Der Planauftrag ist ein interner Beleg, welcher die Produktionsplanung auffordert, 100 Smiley-T-Shirts nachzuproduzieren. Die Materialbedarfsplanung, auch MRP genannt, findet dabei auf mehreren Dispositionsstufen statt, sodass der Bedarf auf allen Stücklistenstufen vererbt wird.

Die Bedarfsmenge hängt dabei von der hinterlegten Einsatzmenge in der Stückliste ab. Für 100 Smiley-T-Shirts werden 110 Meter Stoff und 400 Meter Garn benötigt. Die Einsatzmenge der Komponente pro fertiges T-Shirt beträgt hier 1,10 Meter Stoff und 4 Meter Garn. All diese Informationen sind im Planauftrag nachvollziehbar und werden automatisch im MRP berechnet.

Mit Umwandlung des Planauftrages in einen Fertigungsauftrag wird die Produktion der 100 Smiley-T-Shirts angestoßen. Parallel dazu wird automatisch vom System eine Bestellanforderung für den fremdbearbeiteten Vorgang angelegt. Der Fertigungsauftrag ist ein verbindliches Element innerhalb der Produktion der T-Shirt GmbH. Die Bestellanforderung, auch BANF genannt, ist ein interner Beleg, welcher den Einkauf auffordert, die Beflockung der T-Shirts beim Fremdbearbeiter zu beauftragen.

Die Bestellung der Dienstleistung enthält lediglich eine Textposition

Sobald der Arbeitsvorgang vor dem Fremdbearbeitungsvorgang abgeschlossen ist, wird die Beflockung der T-Shirts beauftragt. Hierfür wird die Bestellanforderung in eine Bestellung umgewandelt. Bei der Bestellposition handelt es sich um eine Textbestellung, da hier lediglich eine Dienstleistung beschafft wird.

Das WIP-Teil verlässt die Produktion der T-Shirt GmbH und wird zur Warenausgangszone transportiert, um von dort aus an den Fremdbearbeiter versendet zu werden.

Der Fremdbearbeiter ist an der Reihe

Nun kann der Fremdbearbeiter seiner Beauftragung von der T-Shirt GmbH nachkommen und beflockt die T-Shirts mit den Smiley-Aufnähern. Nachdem der Fremdbearbeiter alle 100 T-Shirts beflockt hat, werden diese von ihm an die T-Shirt GmbH zurückgesendet. Die Dienstleistung stellt er der T-Shirt GmbH in Rechnung.

Bei der T-Shirt GmbH werden die 100 Smiley-T-Shirts vereinnahmt und geprüft. Der Wareneingang wird in Bezug zur Bestellung gebucht, welche auf den Fertigungsauftrag kontiert ist. Es wird ein Material- und ein Buchhaltungsbeleg erstellt. Der Rechnungseingang wird ebenfalls in Bezug zur Bestellung erfasst.

Parallel zur Wareneingangsbuchung wird der Status im Fertigungsauftrag beim Fremdbearbeitungsvorgang aktualisiert, sodass für den Disponenten zu jedem Zeitpunkt ersichtlich ist, ob die Ware wieder im Hause ist und zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung steht.

Nach der Wareneingangsbuchung fließt das beflockte T-Shirt gemäß dem Fertigungsauftrag wieder in die Produktion ein und wird dort weiterbearbeitet. Nach Abschluss des letzten Arbeitsvorganges wird der Fertigungsauftrag zur Produktion von 100 Smiley-T-Shirts zurückgemeldet. Mit Abschluss des Fertigungsauftrags erhöht sich der Bestand bei den Smiley-T-Shirts um 100 Stück und der Bestand auf Komponentenebene reduziert sich um 110 Meter beim Stoff und 400 Meter beim Garn.

Zu den SAP-Best-Practices besuchen Sie bitte die Lösungsseite der SAP: External Processing (BJK).

 

Gut zu wissen: Fremdbearbeitung vs. Lohnbearbeitung. Die wichtigsten Funktionen

Mit Hilfe der SAP Fremdbearbeitung können Unternehmen einzelne Produktionsschritte, die sie an externe Dienstleister vergeben, transparent und übersichtlich im System abbilden.

Kerstin Mihleisen, SCM Solution Consultant CONSILIO GmbH

Weiterführende Infos:

Lesen Sie über die zweite Art der externen Bearbeitung