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SAP EDI: Elektronischer Datenaustausch im SAP-Umfeld

EDI steht für Electronic Data Interchange, also den elektronischen Austausch strukturierter Geschäftsdaten zwischen Geschäftspartnern.

Im SAP-Umfeld ermöglicht SAP EDI eine nahtlose, standardisierte Kommunikation zwischen SAP-Systemen und externen Systemen, etwa von Lieferanten, Kunden oder Logistikpartnern.

Dank EDI können Geschäftsdokumente wie Bestellungen, Rechnungen oder Lieferscheine automatisiert ausgetauscht werden. In Verbindung mit S/4HANA gewinnt SAP EDI nochmals an Effizienz, da moderne Schnittstellen und neue Technologien wie APIs die klassische IDoc-Kommunikation ergänzen.

Vorteile von SAP EDI auf einen Blick

VorteilBeschreibung
AutomatisierungWegfall manueller Dateneingaben
GeschwindigkeitSchnellere Verarbeitung von Geschäftsdokumenten
FehlerreduktionMinimierung von Tipp- und Übertragungsfehlern
StandardisierungEinheitliche Datenformate und Prozesse
IntegrationDirekte Anbindung an Geschäftspartner weltweit

Wie funktioniert EDI in SAP?

Die Grundlage bildet das IDoc-Format (Intermediate Document). IDoc ist ein standardisiertes SAP-Format für strukturierte Daten. Es dient als Transportmittel für Informationen zwischen SAP-Systemen und externen Systemen. Der Prozess lässt sich vereinfacht wie folgt darstellen:

  1. Auslöser im SAP-System (z. B. Bestellung wird erstellt)
  2. Generierung eines IDocs
  3. Versand über EDI-Schnittstelle (z. B. über ALE, RFC, FTP oder Webservices)
  4. Empfang beim Partner, der das IDoc interpretiert und verarbeitet

Häufig verwendete EDI-Nachrichtentypen in SAP

NachrichtentypBeschreibung
ORDERSBestellungen
INVOICRechnungen
DESADVVersandanzeigen
DELFORLieferabrufe
REMADVZahlungsavis
PRICATPreiskataloge

Diese Nachrichtentypen sind besonders relevant in der Logistik, im Finanzwesen und bei der Zusammenarbeit mit Lager- und Fulfillment-Dienstleistern.

Praxisbeispiel: EDI-Bestellprozess mit SAP

  1. Ein Einkäufer im SAP-System erzeugt eine Bestellung (Transaktion ME21N).
  2. Das System generiert ein ORDERS-IDoc.
  3. Der EDI-Konverter übersetzt das IDoc in ein EDI-Format wie EDIFACT oder ANSI X12.
  4. Der Lieferant empfängt und verarbeitet die Bestellung automatisiert.
  5. Bei Versand wird ein DESADV-IDoc an das SAP-System zurückgesendet.

Wichtige Transaktionen & Tools

TransaktionFunktion
WE02 / WE05Anzeige von IDocs
WE20Partnervereinbarungen pflegen
WE19Test-Tool zur IDoc-Simulation
BD87Wiederverarbeitung fehlerhafter IDocs
WE60Anzeige der IDoc-Dokumentation

Fehlerbehandlung: "Partnervereinbarung nicht vorhanden"

Diese häufige EDI-Fehlermeldung bedeutet, dass für einen eingehenden oder ausgehenden IDoc keine passende Partnervereinbarung im System vorhanden ist. Mögliche Ursachen:

  • Partnernummer nicht korrekt gepflegt (z. B. fehlende UNB-Segment-Definition)
  • Nachrichtenart oder Prozesscode nicht zugewiesen
  • Kein Eintrag in der Transaktion WE20 vorhanden

Lösungsansatz:

  1. Prüfe den Eintrag in WE20 für den betroffenen Partner.
  2. Kontrolliere Partnerart (z. B. LI für Lieferant, KU für Kunde) und Partnernummer.
  3. Überprüfe, ob die Nachrichtenart korrekt verknüpft ist.
  4. Stelle sicher, dass der Prozesscode aktiv ist und ein funktionierendes Verarbeitungsprogramm hinterlegt ist.

Optional: IDoc in WE19 simulieren und schrittweise testen.

Aufbau eines IDocs in SAP

Ein IDoc (Intermediate Document) ist die zentrale Datenstruktur für den elektronischen Datenaustausch in SAP. Es besteht aus einer klaren, hierarchischen Struktur mit drei Hauptelementen:

  1. Kontrolldatensatz (Control Record)
    Enthält allgemeine Informationen über das IDoc, wie Sender, Empfänger, Partnernummer, Nachrichtentyp und IDoc-Nummer.
  2. Datensegmente (Data Records)
    Hier sind die eigentlichen Geschäftsdaten enthalten, z. B. Bestellnummern, Liefermengen oder Rechnungsbeträge.
    Jedes Segment hat eine definierte Struktur, die im SAP-System über die Segmentdefinition gepflegt ist.
  3. Statusdatensätze (Status Records)
    Dokumentieren den Verarbeitungsstatus des IDocs, z. B. „IDoc erfolgreich versendet“ oder „Fehler bei der Verarbeitung“. Diese Einträge sind wichtig für das Monitoring und die Fehleranalyse.

Beispielhafte Struktur eines ORDERS-IDocs

Ein häufig genutztes IDoc ist das ORDERS-IDoc, das Bestellungen elektronisch überträgt. Es ist typischerweise wie folgt aufgebaut:

  • Kontrolldatensatz
    • Nachrichtentyp: ORDERS
    • Partnerart: KU (Kunde) oder LI (Lieferant)
    • Partnernummer: Eindeutige Identifikation des Geschäftspartners
    • Port: Kommunikationsweg (z. B. ALE, EDI-Konverter)
  • Kopfdaten-Segmente (allgemeine Informationen zur Bestellung)
    • E1EDK01: Enthält Bestellnummer, Belegdatum, Währung
    • E1EDK14: Zusätzliche Beleginformationen (z. B. Auftragsart, Zahlungsbedingungen)
    • E1EDK03: Datumselemente (z. B. Lieferdatum, Gültigkeitszeitraum)
    • E1EDKA1: Partnerrollen (z. B. Käufer, Lieferant, Warenempfänger, Rechnungsempfänger)
  • Positionsdaten-Segmente (Details zu einzelnen Bestellpositionen)
    • E1EDP01: Artikelnummer, Menge, Mengeneinheit
    • E1EDP19: Identifikationsnummern (z. B. GTIN, Lieferantennummer)
    • E1EDP20: Preise und Konditionen auf Positionsebene
    • E1EDP26: Mengendetails (z. B. Verpackungseinheiten, Liefermenge)
  • Zusatzinformationen
    • E1EDK17: Referenznummern (z. B. Kundennummer, interne Belegnummer)
    • E1EDKT1 / E1EDKT2: Texte auf Kopf- oder Positionsebene (z. B. Hinweise, Lieferanweisungen)
  • Statusdatensätze
    • Dokumentieren den Verarbeitungsfortschritt:
      • 03: Datenübergabe an Port OK
      • 12: Versand OK
      • 53: Anwendungsbeleg gebucht

Damit zeigt sich: Ein IDoc ist modular aufgebaut und kann sowohl allgemeine Informationen als auch detaillierte Positionsdaten enthalten. Je nach Nachrichtentyp (z. B. ORDERS, DESADV, INVOIC) unterscheiden sich die verwendeten Segmente – das Grundprinzip bleibt jedoch immer gleich.

FAQ zu SAP EDI

Was bedeutet EDI im SAP-Kontext?

EDI bezeichnet den elektronischen Austausch von Geschäftsdaten über standardisierte Formate (IDocs) zwischen SAP-Systemen und externen Partnern.

Welche Rolle spielen IDocs?

IDocs sind die Transportstruktur für EDI-Daten im SAP. Sie ermöglichen die standardisierte Kommunikation zwischen Systemen.

Was ist zu tun bei der Meldung „Partnervereinbarung nicht vorhanden“?

Die Partnervereinbarung in WE20 prüfen, Nachrichtenart und Partnernummer kontrollieren, Prozesscode aktivieren.

Wie sieht die Zukunft von SAP EDI aus?

Mit der zunehmenden Nutzung von Webservice-APIs und des Trends in Richtung Cloud-Architektur stellt sich die Frage: Wird EDI bald abgelöst? Viele Unternehmen haben über Jahrzehnte klassische EDI-Anbindungsszenarien auf Basis des IDoc-Formats etabliert. Bei SAP S/4HANA Installationen in der Private Cloud sowie On-Premise bleibt IDoc weiterhin das wichtigste Standardformat für den Datenaustausch. Dagegen liegt im Public Cloud Umfeld der Fokus stärker auf Integrationsmöglichkeiten wie z.B. OData- oder SOAP-APIs. Diese sind bei der Echtzeitverarbeitung von kleineren Datenmengen im Vorteil, zeigen jedoch Schwächen bei der Übertragung großer Datenvolumina, wo die asynchrone IDoc-Kommunikation performanter ist. 

Die strategische Roadmap von SAP sieht einen klaren Fokus auf den Bereich Public Cloud vor – und damit die verstärkte Nutzung von Standard APIs aus dem S/4HANA Public Cloud System. Allerdings bietet die „klassische“ Integration mit einer IDoc Kommunikation aktuell noch in einigen Bereichen klare Vorteile, z.B. in Bezug auf individuelle Erweiterungsmöglichkeiten und im Umgang mit Massendaten. Derzeit zeichnet sich daher ab, dass die verschiedenen Integrationsszenarien noch für einige Zeit parallel bestehen werden.