SAP Customizing ist die Anpassung eines SAP-Systems an Unternehmensanforderungen über den IMG – ohne Änderung des Standardcodes.
SAP Customizing bezeichnet die individuelle Anpassung eines SAP-Systems an die spezifischen Anforderungen eines Unternehmens – ohne dabei den SAP-Standardcode zu verändern. Es ist der Schlüssel zur Integration von Unternehmensprozessen in SAP und damit zur optimalen Nutzung der Software.
Customizing wird über den sogenannten Implementation Guide (IMG) durchgeführt, in dem Systemparameter für Geschäftsprozesse definiert werden. Beispiele reichen von der Definition von Buchungskreisen bis zur Einrichtung von Belegarten oder Preisfindungsverfahren.
Besonders im Kontext von SAP S/4HANA wird Customizing noch zentraler, da viele Prozesse standardisiert, aber dennoch flexibel.
Ein strukturiertes Vorgehen ist entscheidend für den Erfolg eines Customizing-Projekts. Die typischen Schritte umfassen:
1. Anforderungsanalyse: Erfassen und Dokumentieren der geschäftlichen Anforderungen in enger Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen.
2. Systemarchitektur verstehen: Analyse der bestehenden SAP-Landschaft und relevanter Module.
3. Konzeptentwicklung: Erstellung eines Customizing-Konzepts, das die Prozesse, Organisationsstrukturen und Datenflüsse berücksichtigt.
4. Customizing im SAP IMG: Umsetzung der Konfigurationen im SAP Implementation Guide (IMG).
5. Test und Qualitätssicherung: Durchführung von Integrationstests und Validierung mit den Fachbereichen.
6. Dokumentation: Vollständige und nachvollziehbare Dokumentation aller Einstellungen.
7. Produktivsetzung: Transport der Einstellungen über Transportaufträge.
8. Support und Optimierung: Laufende Pflege im Betrieb.
In der Public Cloud unterscheidet sich das Customizing grundlegend vom klassischen On-Premise-Ansatz.
Grundprinzip: „Fit-to-Standard“ statt „Design-to-Customize“
Während im On-Premise-System Prozesse stark individuell angepasst werden können, verfolgt die Public Cloud einen standardisierten Ansatz:
Der Fokus liegt auf Prozessanpassung an den Standard, nicht auf Anpassung des Standards an das Unternehmen.
Die Implementierung erfolgt typischerweise nach der SAP Activate Methodik mit einem Fit-to-Standard-Workshop-Ansatz:
1. Discover & 2. Prepare
3. Explore (Fit-to-Standard-Workshops)
4. Realize
5. Deploy
6. Run
Im Gegensatz zum klassischen IMG erfolgt die Konfiguration über:
Central Business Configuration (CBC): Zentrales Tool zur Definition von:
Self-Service Configuration UIs (SSCUI): Fiori-basierte Oberflächen zur Anpassung bestimmter Einstellungen.
Expert Configuration: Begrenzter Zugriff auf tiefere Customizing-Einstellungen (nur in definiertem Rahmen).
In-App Extensibility
Side-by-Side Extensibility (SAP BTP)
Developer Extensibility
| Bereich | On-Premise | Public Cloud |
| IMG-Zugriff | Vollständig | Nicht verfügbar |
| Modifikation | Möglich (nicht empfohlen) | Nicht erlaubt |
| Transportwesen | Klassische Transportaufträge | Export/Import Software Collection |
| Updates | Projektgetrieben | halbjährlich automatisch, mit Delta Scope Prüfung |
| Prozessfreiheit | Sehr hoch | Standardisiert |
| Erweiterungen | ABAP | Key User + BTP + Developer Ext. |
| Empfehlung | Nutzen |
| Konsequente Nutzung von Best Practices | Schnellere Einführung |
| GAP-Analyse sauber dokumentieren | Transparente Entscheidungsgrundlage |
| Erweiterungen nur bei echtem Mehrwert | Wartbarkeit und Upgrade-Fähigkeit |
| Frühe Einbindung der Fachbereiche | Höhere Akzeptanz |
| Release-Management etablieren | Stabilität trotz halbjährlicher Updates |
Gibt es noch klassisches IMG-Customizing?
Nein. Die Konfiguration erfolgt über CBC, SSCUIs und Fiori-basierte Tools.
Sind eigene Entwicklungen möglich?
Ja, jedoch bevorzugt über In-App-Extensibility, Developer Extensibilitiy oder Side-by-Side-Erweiterungen auf der SAP Business Technology Platform (BTP).
Wie funktionieren Transporte?
Über Software Collections – nicht über klassische Transportaufträge.
Wie wirken sich Updates aus?
Updates erfolgen halbjährlich automatisch, erfordern aber Delta-Prüfungen des neuen Releases. Daher müssen Erweiterungen und Konfigurationen upgrade-stabil sein.
SAP Customizing im Wandel
Während im klassischen SAP-Umfeld maximale Flexibilität im Vordergrund stand, setzt die Public Cloud auf Standardisierung, Governance und Innovationsfähigkeit. Customizing bleibt auch in der Cloud essenziell – jedoch mit einem klaren Paradigmenwechsel: Vom individuellen Systemdesign hin zur intelligenten Nutzung standardisierter Prozesse. Gerade im Kontext der digitalen Transformation wird damit nicht nur Effizienz geschaffen, sondern auch langfristige Zukunftssicherheit gewährleistet.