Sprache & Region
SAP Glossar

SAP Customizing

SAP Customizing ist die Anpassung eines SAP-Systems an Unternehmensanforderungen über den IMG – ohne Änderung des Standardcodes.

Was ist SAP Customizing?

SAP Customizing bezeichnet die individuelle Anpassung eines SAP-Systems an die spezifischen Anforderungen eines Unternehmens – ohne dabei den SAP-Standardcode zu verändern. Es ist der Schlüssel zur Integration von Unternehmensprozessen in SAP und damit zur optimalen Nutzung der Software.

Customizing wird über den sogenannten Implementation Guide (IMG) durchgeführt, in dem Systemparameter für Geschäftsprozesse definiert werden. Beispiele reichen von der Definition von Buchungskreisen bis zur Einrichtung von Belegarten oder Preisfindungsverfahren.

Warum ist SAP Customizing so wichtig?

Jedes Unternehmen arbeitet anders – und genau hier setzt Customizing an. Ein korrekt konfiguriertes System hat folgende Vorteile:

Supply Chain Icon

Höhere Prozessgenauigkeit

Finanzen Icon

Automatisierung repetitiver Aufgaben

Analytics Icon

Bessere Analyse- und Reportingmöglichkeiten

User Icon

Reduzierte Fehleranfälligkeit im operativen Tagesgeschäft

Besonders im Kontext von SAP S/4HANA wird Customizing noch zentraler, da viele Prozesse standardisiert, aber dennoch flexibel.

Schritte zum erfolgreichen SAP Customizing (On-Premise / Private Cloud)

Ein strukturiertes Vorgehen ist entscheidend für den Erfolg eines Customizing-Projekts. Die typischen Schritte umfassen:

1. Anforderungsanalyse: Erfassen und Dokumentieren der geschäftlichen Anforderungen in enger Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen.

2. Systemarchitektur verstehen: Analyse der bestehenden SAP-Landschaft und relevanter Module.

3. Konzeptentwicklung: Erstellung eines Customizing-Konzepts, das die Prozesse, Organisationsstrukturen und Datenflüsse berücksichtigt.

4. Customizing im SAP IMG: Umsetzung der Konfigurationen im SAP Implementation Guide (IMG).

5. Test und Qualitätssicherung: Durchführung von Integrationstests und Validierung mit den Fachbereichen.

6. Dokumentation: Vollständige und nachvollziehbare Dokumentation aller Einstellungen.

7. Produktivsetzung: Transport der Einstellungen über Transportaufträge.

8. Support und Optimierung: Laufende Pflege im Betrieb.

SAP Customizing in der Public Cloud (SAP S/4HANA Cloud, Public Edition)

In der Public Cloud unterscheidet sich das Customizing grundlegend vom klassischen On-Premise-Ansatz.

Grundprinzip: „Fit-to-Standard“ statt „Design-to-Customize“

Während im On-Premise-System Prozesse stark individuell angepasst werden können, verfolgt die Public Cloud einen standardisierten Ansatz:

  • Nutzung vordefinierter SAP Best Practices und Scope Items
  • Konfiguration nur innerhalb freigegebener Rahmenbedingungen
  • Keine Modifikation des SAP-Kerns
  • Strikte Trennung zwischen Konfiguration und Erweiterung (In-App / Side-by-Side)

Der Fokus liegt auf Prozessanpassung an den Standard, nicht auf Anpassung des Standards an das Unternehmen.

Vorgehensmodell in der Public Cloud

Die Implementierung erfolgt typischerweise nach der SAP Activate Methodik mit einem Fit-to-Standard-Workshop-Ansatz:

1. Discover & 2. Prepare

  • Auswahl geeigneter Best-Practice-Szenarien und Scope Items im Zuge des DDA (Digital Discovery Assessment)
  • Einrichtung des Starter-Systems

3. Explore (Fit-to-Standard-Workshops)

  • Durchlauf vordefinierter SAP-Prozesse
  • Identifikation von Abweichungen (Gaps)
  • Entscheidung: Standard nutzen, Konfiguration anpassen oder Erweiterung entwickeln

4. Realize

  • Konfiguration über Central Business Configuration (CBC) mit Self-Service Configuration UIs
  • Umsetzung genehmigter Erweiterungen
  • Durchführung von Schulungen und Tests

5. Deploy

  • Datenmigration
  • User Enablement
  • Go-Live

6. Run

  • Kontinuierliche Optimierung
  • Nutzung von Release-Updates (halbjährliche Updates)

Werkzeuge in der Public Cloud

Im Gegensatz zum klassischen IMG erfolgt die Konfiguration über:

Central Business Configuration (CBC): Zentrales Tool zur Definition von:

  • Organisationsstrukturen
  • Länder- und Finanzkonfiguration
  • Scope-Aktivierung
  • „Customizing“

Self-Service Configuration UIs (SSCUI): Fiori-basierte Oberflächen zur Anpassung bestimmter Einstellungen.

Expert Configuration: Begrenzter Zugriff auf tiefere Customizing-Einstellungen (nur in definiertem Rahmen).

In-App Extensibility

  • Custom Fields
  • Custom Logic (Key User Extensibility)
  • UI-Anpassungen

Side-by-Side Extensibility (SAP BTP)

Developer Extensibility

  • Für komplexe Erweiterungen außerhalb des S/4HANA-Kerns.

Wichtige Unterschiede: On-Premise vs. Public Cloud

BereichOn-PremisePublic Cloud
IMG-ZugriffVollständigNicht verfügbar
ModifikationMöglich (nicht empfohlen)Nicht erlaubt
TransportwesenKlassische TransportaufträgeExport/Import Software Collection
UpdatesProjektgetriebenhalbjährlich automatisch, mit Delta Scope Prüfung
ProzessfreiheitSehr hochStandardisiert
ErweiterungenABAPKey User + BTP + Developer Ext.

Vorteile des Public-Cloud-Ansatzes

  • Schnellere Implementierung durch Best Practices
  • Geringere Projektkomplexität
  • Update-Sicherheit
  • Reduzierter Wartungsaufwand
  • Höhere Innovationsgeschwindigkeit

Herausforderungen in der Public Cloud

  • Eingeschränkte Individualisierung
  • Umdenken von “Customizing-first” zu “Standard-first”
  • Strikte Governance notwendig
  • Abhängigkeit von SAP-Release-Zyklen

Best Practices für Customizing in der Public Cloud

EmpfehlungNutzen
Konsequente Nutzung von Best PracticesSchnellere Einführung
GAP-Analyse sauber dokumentierenTransparente Entscheidungsgrundlage
Erweiterungen nur bei echtem MehrwertWartbarkeit und Upgrade-Fähigkeit
Frühe Einbindung der FachbereicheHöhere Akzeptanz
Release-Management etablierenStabilität trotz halbjährlicher Updates

FAQ – Häufige Fragen zu SAP Customizing

Gibt es noch klassisches IMG-Customizing?
Nein. Die Konfiguration erfolgt über CBC, SSCUIs und Fiori-basierte Tools.

Sind eigene Entwicklungen möglich?
Ja, jedoch bevorzugt über In-App-Extensibility, Developer Extensibilitiy oder Side-by-Side-Erweiterungen auf der SAP Business Technology Platform (BTP). 

Wie funktionieren Transporte?
Über Software Collections – nicht über klassische Transportaufträge.

Wie wirken sich Updates aus?
Updates erfolgen halbjährlich automatisch, erfordern aber Delta-Prüfungen des neuen Releases. Daher müssen Erweiterungen und Konfigurationen upgrade-stabil sein.

Fazit

SAP Customizing im Wandel

Während im klassischen SAP-Umfeld maximale Flexibilität im Vordergrund stand, setzt die Public Cloud auf Standardisierung, Governance und Innovationsfähigkeit. Customizing bleibt auch in der Cloud essenziell – jedoch mit einem klaren Paradigmenwechsel: Vom individuellen Systemdesign hin zur intelligenten Nutzung standardisierter Prozesse. Gerade im Kontext der digitalen Transformation wird damit nicht nur Effizienz geschaffen, sondern auch langfristige Zukunftssicherheit gewährleistet.

Starten Sie noch heute in Ihre digitale Zukunft!

Nutzen Sie unser Fachwissen.
Lassen Sie sich TOP beraten.

Jetzt Kontakt aufnehmen
Handschlag Icon