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Compatibility Scope in S/4

Auswirkungen und Handlungsempfehlungen

25. November 2025

Compatibility Scope in S/4HANA: Auswirkungen und Handlungsempfehlungen

Mit dem 1. Januar 2026 endet bekanntermaßen das Nutzungsrecht für 95 Prozent der SAP S/4HANA Compatibility Pack Lösungen, sodass Unternehmen dringend ihre Prozesse prüfen migrieren müssen, um rechtliche und betriebliche Risiken zu vermeiden. CONSILIO empfiehlt daher eine sehr zeitnahe (auch erneute) Analyse mit dem Early Watch Report, um Compliance und Prozesssicherheit sicherzustellen – auch wenn diese bereits in den letzten 12 Monaten durchgeführt wurde.

SAP hat das Ende der Nutzungsrechte der Compatibility Scope Lösungen bereits 2016 auf den 31.12.2025 terminiert und in der Note 2269324 veröffentlicht. Auch in den S/4HANA Software Use Rights (SUR) hat das Unternehmen darauf Bezug genommen.

Compatibility Packs (Kompatibilitätspakete) sind Zusatzpakete oder Software-Erweiterungen, die von der SAP entwickelt wurden, um die Kompatibilität zwischen verschiedenen Versionen eines Programms oder Systems sicherzustellen. Sie ermöglichen es Unternehmen, ältere SAP ECC -Funktionen in S/4HANA Softwareversionen weiterhin zu nutzen. Der Compatibility Scope hingegen ist eine Spezifikation, die angibt, welche dieser alten ECC-Transaktionen und Funktionen noch im S/4HANA-System vorhanden sind und unter den Packs laufen, wobei diese Anzahl in den letzten Jahren deutlich abgenommen hat.

Mit dem Auslaufen des Nutzungsrechts zum 31. Dezember 2025 stehen viele Unternehmen vor der Notwendigkeit, Anpassungen vorzunehmen. Der folgende Beitrag geht auf wesentliche Aspekte ein, zeigt, welche Systeme betroffen sind und bespricht geeignete Maßnahmen, auf dieses Problem kurz- bis mittelfristig zu reagieren. 

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Hintergrund des Compatibility Scope

Der Compatibility Scope umfasst Standardfunktionen des SAP S/4HANA-Kerns, die den Übergang von ECC zu S/4HANA erleichtern. Beispiele sind Transaktionen wie MD04 (Materialbedarfsplanung), CM25 (Kapazitätsplanung) oder QMIS (Qualitätsmanagement-Informationssystem). Es handelt sich um temporäre Kompatibilitätsbausteine, die keine separaten Lizenzen erfordern. Mit dem 1. Januar 2026 endet das Nutzungsrecht für die meisten dieser Elemente, unabhängig von der S/4HANA-Version. Die Transaktionen bleiben zwar technisch verfügbar, dürfen jedoch nicht mehr verwendet werden. SAP behält sich Änderungen im Backend vor, die die Funktionalität einschränken könnten.

Ende 2025 laufen Compatibility Packs aus – Unternehmen müssen umgehend ihren Status prüfen, um Risiken zu meiden. CONSILIO als verlässlicher Partner empfiehlt den Early Watch Report für Compliance und Stabilität und unterstützt bei der Behebung potenzieller Probleme.

Lars Becker, SAP Partner Manager CONSILIO GmbH Experten kontaktieren

Betroffene Systeme und Unternehmen

Prinzipiell sind alle Installationen von S/4HANA außer die Public Variante betroffen, für SAP ERP Cloud (früher als GROW with SAP oder S/4HANA Public Cloud bekannt) gibt es generell keine Compatibility Scope Verfügbarkeit. SAP bietet die Möglichkeit ein erweitertes Nutzungsrecht vertraglich mit einem  „RISE with SAP“ über SAP Cloud ERP private abzuschließen. Hier kann das Nutzungsrecht erfahrungsgemäß bis Ende der 2020-Jahre verlängert werden. Schätzungen der Info-Tech Research Group besagen, dass bis zu 70 Prozent der S/4HANA-Nutzer mindestens ein Compatibility Pack verwenden. Das umfasst auch die Bereiche HR, Materialwirtschaft (MM) und Produktionsplanung (PP). In den  Modulen PP-PI (Production Planning – Process Industries), CS (Customer Service) und TM (Transportation Management) gibt es dedizierte Ausnahmen, Details sind in der SAP Note aufgelistet. Laut der SAP werden diese Compatibility Packs nach heutigem Kenntnisstand noch bis Ende 2030 erlaubt.

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Auf den Punkt gebracht:

Im Kurzinterview mit Matthias Lebschy, Managing Consultant, CONSILIO bringt Lars Becker, SAP Partner Manager, CONSILIO kurz und knapp auf den Punkt, warum sich Unternehmen zeitnah mit dem Thema auseinandersetzen sollten. 

  • Der Einsatz von Compatibility Packs über den 31.12.2025 hinaus ist risikobehaftet. 
  • Anwender sollten per Readiness Check und Early Watch Alert den eigenen Betroffenheitsgrad prüfen und eine Substitutionsstrategie definieren. 
  • Die Ziellösung muss spätestens zum 31.12.2025 produktiv sein. 

Potenzielle Risiken und Konsequenzen

Wer die Transaktionen nach dem Stichtag weiterhin nutzt, verstößt gegen Lizenzbedingungen und EU-Recht, einschließlich fehlenden Supports bei Störungen. Ob SAP bei Tickets unterstützt, ist aktuell offen und Backend-Anpassungen können Workflows beeinträchtigen. Zusätzlich erschweren kundenspezifische Anpassungen (Custom-Code) und Verknüpfungen den Umstieg auf native S/4HANA-Prozesse. Eine zeitnahe umfassende Risikoanalyse ist daher unerlässlich, um operative Störungen zu vermeiden.

Empfohlene Prüf- und Migrationsschritte

Die erste Maßnahme besteht darin, herauszufinden, ob und in welchem Umfang das eigene System betroffen ist. Dazu empfiehlt die SAP die Verwendung des Readiness Check samt seiner Anwendungen Compatibility Scope Analysis und dem Report Early Watch Alert (EWA). Diese Tools helfen bei der Analyse und zeigen, wo es hakt. Die Ausführung des Early Watch Reports (SAP-Note 2290622), dient etwa zur Analyse der Nutzung in den letzten drei Monaten. Ergänzend sollten auch die Subnotes in der SAP-Dokumentation geprüft werden, um saisonale oder seltene Transaktionen (z.B. aus Controlling) zu identifizieren. 

Für den Umstieg auf Fiori-Apps (native S/4HANA-Prozesse) ist bei vorhandener Infrastruktur ein Aufwand von mehreren Wochen zu erwarten; bei fehlender Basis sollte man mit mehreren Monaten für die Einrichtung von Servern und Berechtigungen rechnen. SAP bietet dedizierte Apps, doch eine 1:1-Übertragbarkeit sollte geprüft werden. Ein Partner-Assessment unterstützt bei der Identifikation und Umsetzung individueller Anpassungen. 

Alternative Möglichkeiten, die Problematik kurzfristig zu umgehen, umfassen die Möglichkeit ein erweitertes Nutzungsrecht vertraglich zu vereinbaren mit einem „RISE with SAP“ über SAP Cloud ERP private abzuschließen.

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Fazit und Aufruf zum Handeln

Mit dem Stichtag 31. Dezember 2025 ist eine sofortige Prüfung der Nutzung der Compatibility Paks ratsam. Ein erster Schritt, die eigene Betroffenheit zu identifizieren, umfasst die Analyse mit dem Early Watch Report. Bei Bedarf sollte ein SAP-Partner wie CONSILIO für eine detaillierte, breitere Analyse zu Rate gezogen werden. In laufenden oder demnächst startenden Projekten sollte eine Nutzung Compatibility Scope Items ausgeschlossen werden, Ausnahmen nur gemäß SAP-Note. Dies gewährleistet nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern auch eine zukunftssichere S/4HANA-Nutzung.