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Scanner in SAP

05. Februar 2026

Mobile Datenerfassung in SAP: Welche Lösung passt zu Ihren Prozessen?

Die mobile Datenerfassung ist heute ein zentraler Bestandteil moderner Logistik- und Produktionsprozesse. Doch es reicht nicht, einfach nur robuste Hardware bereitzustellen. Entscheidend sind die richtigen Rahmenbedingungen – vom Browser über die Anwendung bis hin zum Endgerät. Wir erklären, worauf es bei der mobilen Datenerfassung wirklich ankommt.

1. Browser

Standardbrowser vs. Industriebrowser in SAP: Warum die Wahl des Browsers entscheidend ist

Mobile Anwendungen in SAP sind aus modernen Logistik- und Produktionsprozessen nicht mehr wegzudenken. Doch neben der Wahl der passenden Hardware entscheidet auch der eingesetzte Browser maßgeblich über die Effizienz und Stabilität mobiler Datenerfassung. 

Standard (Chrome) vs. Industriebrowser

Google Chrome ist für den klassischen Verbrauchermarkt entwickelt. Nutzerfreundliche Funktionen wie Adressleiste mit integrierter Suche, Lesezeichen oder einstellbare Startseiten sind im privaten und Büroalltag nützlich – in industriellen Anwendungen jedoch oft hinderlich. Denn dort gilt: Weniger ist mehr. Jede zusätzliche Funktion bedeutet eine potenzielle Fehlerquelle. 

Industriebrowser sind dagegen auf das industrielle Umfeld zugeschnitten. Sie bieten:

- reduzierte, fest definierbare Benutzeroberflächen
- versteckte Adressleisten
- keine ablenkenden Bedienelemente
- mehr Bildschirmfläche für Dialogmasken
- höhere IT-Sicherheit durch eingeschränkten Zugriff auf das offene Internet. 

Sie lassen sich vollständig an die Bedürfnisse der Anwendung anpassen – bis hin zum Ausschalten der Menüführung. 

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Effiziente Datenerfassung entsteht dort, wo Technologie den Arbeitsablauf unterstützt – nicht umgekehrt.

Sebastian Keilhacker, Senior Managing Consultant CONSILIO GmbH Kostenfreien Expert Talk vereinbaren

Versionierung

Ein weiterer Vorteil von Industriebrowsern ist die kontrollierbare Versionierung. Chrome aktualisiert sich in der Regel automatisch über den Play Store – was in der Industrie zu Problemen führen kann:

  • unterschiedliche Browserversionen auf mehreren Geräten
  • unkontrollierbare Updates,
  • mögliche Inkompatibilitäten mit SAP ITS Mobile oder Fiori.

Industriebrowser hingegen können zentral versioniert und verwaltet werden. So lässt sich sicherstellen, dass alle Geräte auf dem gleichen Stand sind – ein Muss für stabile SAP-Prozesse.

Steuerung und Konfiguration

Die zentrale Steuerung per Mobile Device Management (MDM) ist das Hauptargument für den Einsatz eines Industriebrowsers. Während Chrome-Konfigurationen oft manuell und gerätespezifisch vorgenommen werden müssen, lassen sich bei Industriebrowsern Einstellungen wie:

  • Startseiten,
  • Favoriten,
  • Layouts und Bedienelemente,
  • Sperrlisten für URLs oder
  • Verhalten bei Inaktivität

zentral über ein MDM ausrollen. Das spart Zeit, reduziert Fehlerquellen und sorgt für konsistente Benutzererfahrungen über alle Geräte hinweg.

Nicht die Hardware entscheidet über den Erfolg mobiler SAP-Prozesse – sondern das Zusammenspiel aus Browser, Anwendung und Prozessverständnis.

Andreas Baumann, Geschäftspartner von CONSILIO GmbH QUAD GmbH Mehr erfahren

Online vs. Offline: Stabilität entscheidet

SAP verfolgt seit vielen Jahren den Grundsatz des permanenten Onlinebetriebs. Offline-Funktionalitäten führen oft zu Problemen bei der Synchronisierung von Transaktionen. Dennoch gibt es reale Anwendungsfälle – etwa beim Wechsel zwischen Hallen oder bei temporären Funklöchern – in denen kurzfristige Verbindungsabbrüche auftreten.

Hier punkten Industriebrowser mit intelligentem Pufferverhalten:

  • Der Nutzer wird nicht sofort mit einer Fehlermeldung konfrontiert,
  • das System versucht, die Verbindung im Hintergrund wiederherzustellen,
  • Arbeitsprozesse bleiben erhalten, ohne dass der Nutzer aktiv eingreifen muss.

Chrome hingegen reagiert bei Verbindungsverlust mit sofortiger Unterbrechung und Seitenabbruch – was in der mobilen Logistik negative Folgen haben kann.

2. Anwendung: Fiori, ITS Mobile und Screen Personas

SAP setzt im Bereich der mobilen Datenerfassung weiterhin auf ITS Mobile – eine browserbasierte Lösung, die HTML-Dialoge generiert und auf mobilen Endgeräten darstellt. Reine Fiori-Anwendungen für logistische Prozesse sind derzeit nur eingeschränkt verfügbar – etwa für den Kommissionierprozess mit Rollwagen.

Da ITS Mobile technologisch nicht mehr ganz neu ist, bietet SAP mit Screen Personas ein Werkzeug zur Oberflächenoptimierung: Key-User oder IT-affine Fachbereiche können damit Dialoge anpassen, Felder vergrößern oder entfernen und zusätzliche Elemente ergänzen – ganz ohne tiefgreifende Entwicklung. Für individuelle Prozesse ist zudem weiterhin klassische ABAP-Entwicklung möglich.

Neben ITS Mobile besteht auch die Möglichkeit, externe Lösungen für die Scannerdialoge einzuführen. Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn im Lager eine offline Fähigkeit benötigt wird – das kann SAP derzeit nicht gewährleisten. 

Für eine Verbesserung der User Experience kann eine komplette Fiorisierung mittels Fiori Converter durchgeführt werden. Gründe dafür könnten veraltete Oberfläche der RFUI-Dialoge sein oder eine Skalierung der Dialoge auf mehrere Gerätetypen. 

3. Erst Prozessanalyse, dann Geräteauswahl

Bevor Sie sich auf die Suche nach einem passenden Scanner machen, sollten Sie eine Prozessanalyse durchführen. Die Bestandsaufnahme der Prozesse sollte beinhalten, welche Daten scannbar sind und welche nur durch Eingabe erfasst werden können. Welche Arten der Eingabe kommen im Lager vor: Sind numerische oder alphanumerische Daten einzugeben? Die Prozessanalyse sollte man zum Anlass nehmen, die Scanprozesse so anzupassen, dass der Lagermitarbeiter mit dem Scanner fehlerfrei und mit möglichst wenigen manuellen Eingaben arbeiten kann. 

Während einfache Scans meist keine große Herausforderung darstellen, können alphanumerische Eingaben über ein Softkeyboard auf kleinen Geräten schnell zur Hürde für die Nutzerfreundlichkeit werden.

Hinzu kommt: SAP verwendet in den mobilen Anwendungen Funktionscodes wie F3 oder F7, daher sollten diese nach Möglichkeit auf dem Gerät als Tasten vorhanden sein oder mit Touchscreen eingeblendet werden können. Um diese Funktionstasten effizient nutzen zu können, empfiehlt sich eine industriefähige Tastatur, die diese Funktionen unterstützt – etwa über belegbare Schaltflächen oder Wischgesten. Anbieter wie Zebra bieten hierfür spezialisierte Lösungen mit konfigurierbaren Layouts und optimierter Anzeige.

Fazit

Die mobile Datenerfassung in SAP erfordert mehr als nur robuste Hardware – sie lebt von durchdachten Prozessen und der richtigen technischen Basis. Gerade bei der Wahl des Browsers zeigt sich, wie stark sich Standard- und Industriebrowser unterscheiden: Während Chrome für klassische Office-Anwendungen konzipiert ist, bieten Industriebrowser entscheidende Vorteile in Bezug auf Stabilität, Sicherheit und zentrale Steuerbarkeit – insbesondere im anspruchsvollen Logistikumfeld.

Auch bei der Wahl der Anwendungslösung – ob ITS Mobile, Fiori oder Screen Personas – sollte die technische Machbarkeit stets im Einklang mit den konkreten Anforderungen im Lager stehen. Offline-Fähigkeiten, Bedienfreundlichkeit und Oberflächenlogik sind zentrale Kriterien, die je nach Szenario unterschiedlich gewichtet werden müssen.

Am Anfang jeder Entscheidung steht jedoch die Prozessanalyse: Nur wer genau versteht, wie gearbeitet wird, kann die optimale Kombination aus Anwendung, Gerät und Eingabemethode auswählen. So wird aus Technik echte Prozessunterstützung – und die mobile Datenerfassung zum produktiven Werkzeug im SAP-System.

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