Ein Lohnbearbeitungsprozess endet nicht zwangsläufig beim ersten externen Partner. Übernimmt ein zweiter Lohnbearbeiter direkt die nächste Fertigungsstufe, entsteht eine mehrstufige Prozesskette: Das Zwischenprodukt wandert von Partner zu Partner, während die Planung den Überblick über Termine, Materialbedarfe und Abhängigkeiten behalten muss. Genau hier lag bislang eine funktionale Grenze von PP/DS.
Mit der zunehmenden Spezialisierung industrieller Wertschöpfungsketten werden die Fertigungsnetzwerke komplexer. Mehrere externe Partner können nacheinander an der Herstellung eines Produkts oder einer Baugruppe beteiligt sein.
Ein typisches Szenario: Ein Lohnbearbeiter übernimmt eine Fertigungsstufe. Das Ergebnis wird jedoch nicht zunächst an das auftraggebende Unternehmen zurückgeliefert, sondern direkt an einen weiteren externen Partner weitergeleitet. Dieser übernimmt die nächste Bearbeitung oder Fertigung und gibt das Zwischenprodukt gegebenenfalls an einen weiteren Lohnbearbeiter oder an das eigene Werk weiter.
Damit entsteht eine Prozesskette, in der mehrere externe Bearbeitungs- und Transportstufen aufeinander abgestimmt werden müssen (siehe Bild rechts)
Für die Produktionsplanung ist entscheidend, dass die Bedarfe und Zugänge entlang dieser Kette miteinander verknüpft bleiben. Genau hier stieß embedded PP/DS in bisherigen SAP-S/4HANA-Releases an funktionale Grenzen.
In bisherigen SAP-S/4HANA-Releases wurde die Ziellokation einer erzeugten Bestellanforderung zwar korrekt aus den Stammdaten des Dispositionsbereichs beziehungsweise dem hinterlegten Sonderbeschaffungsschlüssel übernommen. Die zugehörigen Komponentenbedarfe wurden jedoch nicht vollständig über die gesamte Lohnbearbeitungskette weitergegeben.
Das Problem trat insbesondere dann auf, wenn das Ergebnis eines Lohnbearbeitungsschritts direkt an einen nachgelagerten Lohnbearbeiter weitergeleitet werden sollte. Verwies die Ziellokation der Bestellanforderung auf diesen nächsten externen Partner, gingen die Bedarfe der zugehörigen Komponenten auf der darunterliegenden Stücklistenebene in PP/DS verloren.
Die Folgen zeigten sich in den Planungssichten: Die Komponentenbedarfe waren weder in der Produktsicht (SAP APO/RRP3) noch in der Pegging-Struktur von PP/DS vollständig und transparent dargestellt.
Besonders deutlich wurde die Einschränkung beim Vergleich der operativen Beschaffungsdaten in SAP S/4HANA mit der Planungssicht in PP/DS. In der Anwendung „Anzeigen einer Bestellanforderung“ (ME53N) wurden die relevanten Komponenten korrekt angezeigt. In PP/DS war dagegen lediglich der erwartete Wareneingang der Fremdbearbeitung als Zugang sichtbar. Die dafür benötigten Komponenten erschienen weder in der Produktsicht noch innerhalb der Bedarfsstruktur.
Für den Planer bedeutete das: Der physische Prozess konnte fachlich korrekt aufgesetzt sein, während die Planungssicht den Zusammenhang zwischen Zugang und Komponentenbedarf nicht vollständig abbildete.
Solange die Bedarfsweitergabe über mehrere externe Fertigungsstufen nicht durchgängig funktionierte, hatten sich in der Praxis zwei Vorgehensweisen etabliert.
Jede Teillieferung wird vor der Weitergabe an den nächsten Lohnbearbeiter zunächst ins eigene Werk zurückgebucht. Von dort aus wird das Zwischenprodukt erneut an den nächsten externen Partner versendet. Dieser Weg erhöht den logistischen Aufwand, verursacht zusätzliche Transporte und ist in vielen Fällen betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll. Vor allem aber bildet er nicht den tatsächlich gewünschten Materialfluss ab.
Alternativ kann die Ziellieferadresse manuell auf den nachgelagerten Lohnbearbeiter geändert werden. Damit lässt sich der gewünschte physische Ablauf zwar abbilden. In der bisherigen PP/DS-Planung traten dadurch jedoch die beschriebenen Einschränkungen bei der Bedarfsweitergabe und Nachvollziehbarkeit auf.
Beide Workarounds erhöhen den manuellen Abstimmungsaufwand. Im ungünstigsten Fall entstehen daraus Planungsfehler, die sich auf Liefertreue und Kapazitätsauslastung auswirken können.
Mit SAP S/4HANA 2025 und SAP S/4HANA Cloud Private Edition 2025, die im vierten Quartal 2025 ausgeliefert wurden, unterstützt SAP die mehrstufige Lohnbearbeitung erstmals als Standardfunktion in embedded PP/DS.
Die Erweiterung adressiert eine Lücke, die insbesondere bei komplexen Fremdfertigungsnetzwerken relevant ist: Mehrstufige Lohnbearbeitungsprozesse werden in die PP/DS-Planungslogik integriert. Bedarfe können über mehrere aufeinanderfolgende Lohnbearbeitungsstufen hinweg weitergegeben und in den Planungssichten sichtbar gemacht werden.
Für Produktionsplaner entsteht damit eine konsistentere Sicht auf die gesamte Kette. Komponentenbedarfe, Materialbereitstellungen und Warenbewegungen zwischen mehreren Lohnbearbeitern können in der Planung berücksichtigt werden – auch dann, wenn ein Zwischenprodukt direkt von einem externen Partner an den nächsten weitergeleitet wird.
Neben den Materialbedarfen berücksichtigt PP/DS auch die Bearbeitungs- und Transportstufen innerhalb der Lohnbearbeitungskette. Die Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Prozessschritten werden transparenter und können bei der Termin- und Feinplanung einbezogen werden. Dadurch lassen sich potenzielle Versorgungsengpässe früher erkennen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Nachvollziehbarkeit in der Pegging-Struktur. Bedarfe und Zugänge bleiben über mehrere Ebenen hinweg miteinander verknüpft. Planer können dadurch besser erkennen, welche Komponenten für einen bestimmten Fertigungsauftrag oder Kundenbedarf benötigt werden und an welcher Stelle der Lohnbearbeitungskette sie sich befinden.
Gerade bei mehrstufigen Szenarien ist diese Verbindung entscheidend. Ein fehlender Komponentenbedarf betrifft nicht nur eine einzelne Bestellung. Er kann sich auf nachgelagerte Bearbeitungsschritte, Termine und die Versorgung des nächsten Partners auswirken. Eine durchgängige Planungssicht schafft deshalb die Voraussetzung, Abhängigkeiten früher zu erkennen und die einzelnen Prozessschritte besser aufeinander abzustimmen.
Die mehrstufige Lohnbearbeitung gehört in vielen Branchen zum Alltag. Mehrere externe Partner übernehmen nacheinander definierte Fertigungs- oder Bearbeitungsstufen, bevor das Ergebnis ins eigene Werk zurückkehrt oder in einen weiteren Prozess übergeht.
In PP/DS konnten Bedarfs- und Materialflüsse über mehrere externe Fertigungsstufen bislang jedoch nicht durchgängig berücksichtigt werden. Mit SAP S/4HANA 2025 erweitert SAP embedded PP/DS um eine Standardunterstützung für dieses Szenario.
Unternehmen mit einem hohen Anteil externer Fertigungsschritte sollten die Funktion im Rahmen ihrer Upgrade- und Innovationsplanung prüfen. Relevant ist sie insbesondere dort, wo Zwischenprodukte direkt zwischen mehreren Lohnbearbeitern bewegt werden und die Produktionsplanung trotzdem eine durchgängige Sicht auf Bedarfe, Zugänge, Termine und Abhängigkeiten benötigt.
Die Erweiterung zeigt zugleich, dass SAP die Produktionsplanung stärker an unternehmensübergreifenden Fertigungs- und Liefernetzwerken ausrichtet. Für Unternehmen entsteht damit die Möglichkeit, komplexe Lohnbearbeitungsprozesse konsistenter in der Produktionsplanung abzubilden und auf prozessuale Workarounds zu verzichten.